12 APRIL
2000
Westdeutsche Allgemeine
Achtes Philharmonisches Konzert mit ausgezeichnetem Gastdirigenten
Opernhaus im Tango-Rhythmus
Das Opernhaus im Tango-Rhythmus: Das achte Philharmonische Konzert stand ganz im Zeichen Südamerikas.
Was hat ein Ochse auf einem Dach zu suchen? Eigentlich nichts, möchte man meinen. Es ist auch lediglich der Titel eines brasilianischen Liedes, das unter anderen in Darius Milhauds ursprünglich als Filmmusik konzipiertem Stück "Le boeuf sur le toit" verarbeitet wird. Sehr schwungvoll interpretierte das Philharmonische Orchester unter der Leitung des für den erkrankten Leonid Grin eingesprungenen polnischen Dirigenten Meir Minsky, [...]
Prägend für die Musik ist die stark wirkende Rhythmik, die teilweise, wie etwa in Coplands "El Salón México", auch aggressiv wirkt. Für ein europäisches Orchester nicht übliches Schlagwerk verleiht ihr zusätzlich ein exotisches Flair.
Meir Minsky führte die Philharmoniker zu einem sehr präzisen und mitreißenden Spiel, konnte am Ende aufgrund seines engagierten und flüssigen Dirigates viele Bravo-Rufe für sich verbuchen. [...]
Das Konzert für Bandoneón, Streichorchester und Schlagwerk aus der Feder von Astor Piazzolla kommt dem Stil des barocken Concerto grosso nahe. In den Tutti-Stellen ging der zurückhaltende Ton des Instrumentes manchmal leider etwas unter. Homogen fügte sich der Solist in das Ensemble ein, zauberte im Mittelsatz eine lyrische träumerische Stimmung, mitreißend und stark rhythmisch geprägt der Finalsatz.
MLG
12 APRIL 2000
Westfälische Rundschau
8. Philharmonisches Konzert bot ein begeistert aufgenommenes Programm
Südamerikas Klänge voller Heimweh und Temperament
Es zuckte den Besuchern in den Beinen. Im 8. Philharmonischen Konzert ließen sie sich von Rhythmus und Sentiment hinwegtragen in die faszinierende Welt der schillernden Musik Südamerikas.
Dazu gehört des Bandoneon. Dieses in Deutschland gebaute Instrument nahmen Emigranten nach Argentinien mit, machten es zum Instrument ihres Heimwehs und schließlich zum Instrument des Tangos.
Lothar Hensel ist ein weltweit gefragter Bandoneonist. Er spielte hier ein Konzert für Bandoneon, Streichorchester und Schlagzeug des argentinischen Tango-Königs Astor Piazzolla. Der "tango nuevo" des Argentiniers erlebt zurzeit in Europa einen wahren Boom - er mischt südamerikanische Folklore mit "klassischen" Techniken. Auch sein Bandoneonkonzert "Aconcagua" beruht auf dem Tango, virtuos und effektvoll eingebettet in den Stil eines barocken concerto grosso. Hensel ist ein Meister seines Instruments auf dem Konzertpodium und bot eine ungewöhnliche und außergewöhnliche Begegnung, für die er begeisterten Applaus erhielt.
Dazu gab es weiterhin ausschließlich Südamerikanisches, farbenkräftig, mit vitalem Schwung musiziert von Gastdirigent Meir Minsky und den sichtlich animierten, vom Sound und Flair mitgerissenen Philharmonikern: Milhauds freches Ballett "Le boeuf sur le toit" verarbeitet geschickt brasilianische Volksmusik, Aaron Copland führt in seinem "El Salon Mexico" in die Atmosphäre schriller, explosiver mexikanischer Musik. Indianische Riten, bis zur Ekstase "beschleunigt", vermittelt die "Sinfonia india" von Carlos Chávez. Und geradezu umwerfend in der Mischung von Gefühl, Farbe und Rhythmus rissen zum Schluß "Tango die Tango" von Robert Xavier Rodrigues und "Danzon Nr. 2" von Arturo Marquez hin.
ME
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