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Meir Minsky dirigierte Erstfassung von Bruckners Dritter in Gera
Selbst die Pausen sind Musik
Dirigenten, die Bruckners Sinfonien aufführen wollen, stehen vor einem Dilemma. Zahlreiche seiner Werke sind in verschiedenen Fassungen überliefert. Eklatant ist dies bei der 3. Sinfonie: Gewöhnlich ist im Konzertsaal deren dritte Fassung von 1890 zu hören. Doch eigentlich ist die zweite Version die musikalisch gehaltvollere. Der israelische Dirigent Meir Minsky hat sich die Förderung dieser ersten Version auf die Fahnen geschrieben. Erstmals feierte er damit Erfolg in Berlin, nun leitete er Donnerstag Abend das Orchester des Theaters Altenburg-Gera in einem Gemeinschaftskonzert. Mit sicherer Hand wuchtet er die gigantischen Klangblöcke aufeinander, preßt das wilde Gebilde schließlich in ein überzeugendes dynamisches Konzept. Schier unendliche Crescendi führen dabei das Orchester an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Im Bläserchoral erreicht das Blech so ungeahnte Fortissimo-Intensität, mit dem zarten Pianissimo zu Beginn des zweiten Satzes aber sind die Hörner überfordert. Was hier nur böswillige Puristen übelnehmen können, denn Minsky fordert das Ensemble wie selten ein Dirigent. Selbst die Pausen sind da Musik - voller Spannung, die sich etwa im traumhaft schön zusammengeschobenen Streicherklang am Ende des Adagios entlädt. Oder im Hauptthema, das der Dirigent mit übersinnlicher Langsamkeit angeht.
Händels Werke haben hingegen vor allem eine Vergangenheit. Von dieser versucht man sie seit langem schon zu befreien. Indem sie wieder so gespielt werden, wie sie einst gedacht waren. Derart fette Vibrati, wie sie mit Ausnahme der Konzertmeisterin nahezu alle Streicher vollführten, haben im Barock einfach nichts zu suchen. Beifall gab's dennoch genügend - für Martin Stephan, der sich als versierter Solist mit viel Sinn für abwechslungsreiche Klanggestaltung vorstellte.
Hagen Kunze
16 November 1999
OSTERLÄNDER VOLKSZEITUNG
Refined Bruckner Interpretation
"Meir Minsky demonstrated here his real strengths. With ample gestures and wide bows, the conductor led the orchestra through this work, and the musicians, ever attentive and inspired followed him with refinement. ... The vast musical breath and stylistic multiplicity underlying this Anton Bruckner symphony inspired the Gera-Altenburg musicians as well. They played in a gripping albeit very subtle way. The conductor carefully balanced the interactions between the different sections of the orchestra and was at all times a complete master of the music making. ... The public responded with enthusiasm and thanked the conductor and the orchestra with prolonged applause."
Klaus-Jürgen Kamprad
Meir Minsky dirigierte Konzert von Landeskapelle Altenburg und Philharmonischem Orchester Gera
Feinfühlige Bruckner-Interpretation
Das 3. Philharmonische Konzert am vergangenen Freitag stand zumindest hälftig im Zeichen der Geraer Orgeltage. Unter dem Dirigat des international recht erfolgreichen Meir Minsky musizierten die Altenburger Landeskapelle und das Philharmonische Orchester Gera. [...]
Den zweiten Konzertabschnitt beherrschte Anton Bruckner mit seiner "Sinfonie Nr. 3 d-Moll". Dieses einstündige ausladende Werk stellt in seiner Konzeption einen Markstein in der Entwicklung der Brucknerschen Sinfonik dar. Die Sinfonie hat den Komponisten über Jahrzehnte hinweg beschäftigt und liegt heute in drei Fassungen vor. Hier nun zeigte Meir Minsky die wahren Stärken. Mit großer Geste und weiten Bögen führte der Dirigent seine Musiker durch diese Komposition. Das Orchester folgte aufmerksam und feinfühlig den Intentionen seines Dirigenten.
Einen ganz besonderen Eindruck hinterließ der erste Satz der Sinfonie. Der große musikalische Atem und die stilistische Vielfalt, mit der Anton Bruckner hier zu Werke geht, inspirierte auch die Altenburg-Geraer Musiker zu einer sehr subtilen und ergreifenden Spielweise. Ausgewogen stellte der Dirigent die Orchestergruppen aufeinander ein und behielt das Heft der musikalischen Handlung stets sicher im Griff. Als die Gestik an manchen Stellen nicht mehr ausreichte, da setzte Meir Minsky so manch gutturalen Laut als Motivation für Musikerinnen und Musiker ein.
Das Altenburger Publikum zeigte sich begeistert und dankte dem Dirigenten und dem Orchester mit einem langanhaltenden Applaus.
Klaus-Jürgen Kamprad
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